Welche Werte du brauchst
Für das Gehäuse reichen drei Werte aus dem Datenblatt: Fs (Freiluftresonanz), Qts (Gesamtgüte) und Vas (das Luftvolumen, das genauso steif ist wie die Aufhängung des Chassis). Schau bei Vas zweimal auf die Einheit: US-Datenblätter geben meist Kubikfuß an, europäische meist Liter. Stehen nur Qes und Qms im Datenblatt, gilt Qts = Qes·Qms/(Qes + Qms). Passt das nicht zum angegebenen Qts, ist im Datenblatt ein Tippfehler.
Gerechnet wird hier mit dem Nettovolumen: der Luft, die übrig bleibt, wenn Chassis, Port, Verstrebung und eine doppelte Schallwand abgezogen sind. Ein Gehäuse mit 50 L brutto hat mit einem 30er-Chassis (12 Zoll) und einem 10-cm-Rohr noch rund 44 L netto.
Geschlossen: Qtc, Fc und F3
Im geschlossenen Gehäuse kommt die Steifigkeit der eingeschlossenen Luft zur Aufhängung des Chassis dazu. Mit α = Vas/Vb liegt die Resonanz im Gehäuse bei Fc = Fs·√(α + 1), die Güte bei Qtc = Qts·√(α + 1) (Small, 1972). Je kleiner das Gehäuse, desto höher Qtc und Fc.
- 0,577: die flachste Gruppenlaufzeit, straff, braucht ein größeres Gehäuse.
- 0,707: maximal flach. Der übliche Wert im Hifi-Selbstbau.
- 0,8 bis 1,0: im Auto verbreitet. Die Innenraumverstärkung hebt den Tiefbass an, da darf es um Fc etwas mehr Druck geben.
- Über 1,1: dröhnt. Das Gehäuse ist zu klein für dieses Chassis.
F3 gibt der Rechner auf zwei Arten an, weil Websites und Datenblätter beide verwenden: 3 dB unter dem flachen Verlauf, auf den sich der Frequenzgang einpendelt, und bei einer Überhöhung 3 dB unter deren Spitze. Dabei steht, welches F3 gemeint ist.
Bassreflex: die Rohrlänge
Port und Gehäuseluft bilden einen Helmholtz-Resonator. Die akustische Länge, mit der ein Nettovolumen Vb bei einem Portquerschnitt Sp auf Fb abgestimmt ist, beträgt Leff = c²·Sp/(4π²·Fb²·Vb), mit c = 343 m/s bei 20 °C. Die Länge, die du zuschneidest, ist kürzer: Die Luft direkt vor jedem Rohrende schwingt mit, also kommt an jedem Ende eine Mündungskorrektur dazu.
Dieser Rechner nimmt wie die App ein Ende mit Flansch (0,85 × Radius, bündig in der Schallwand) und ein freies Ende (0,61 × Radius, im Gehäuse). Beim Abgleich mit Hornresp ergab sich dort eine Korrektur von 1,46 bis 1,62 × Radius, und mit unserem Standard lag die Abstimmung höchstens 1 % daneben (siehe so prüfen wir die Rechnung). Ein verrundetes Rohrende oder ein Port, der an einer Wand entlangläuft, wirkt an diesem Ende wie eins mit Flansch: Das stellst du unter Rohrenden ein.
Aus derselben Rechnung kommen zwei Warnungen. Ist der Port länger als das Gehäuse, knick ihn oder nimm einen kleineren Querschnitt. Liegt seine eigene Rohrresonanz (c/(2·Leff)) unter etwa dem Vierfachen deiner Trennfrequenz, kann sie als Ton hörbar werden.
Was diese Seite nicht rechnet
Luftgeschwindigkeit im Port und Hub hängen von Sd, Xmax und der Leistung deiner Endstufe ab. Ein richtig abgestimmter Port kann bei 300 W trotzdem schnaufen. Die App prüft beides bei der echten RMS-Leistung deiner Endstufe und schlägt den Portquerschnitt oder den Subsonic-Filter vor, der das behebt. Den kompletten Frequenzgang eines Bassreflexgehäuses, sein F3 und die klassischen Auslegungen (QB3, SBB4, SC4) rechnet die App.
Quellen
- Small, R. H., “Closed-Box Loudspeaker Systems”, JAES 20 (1972)
- Small, R. H., “Vented-Box Loudspeaker Systems” Parts I–IV, JAES 21 (1973)
- End correction: Rayleigh (flanged, 0.8488 r) and Levine & Schwinger 1948 (free, 0.6133 r)
- usenclosure.com, enclosure formulas
- Scan-Speak Technote 07, box alignments
Die Ergebnisse sind Planungswerte. Prüf vor dem Bauen das Datenblatt des Chassis und die Mindestlast deiner Endstufe.
Mit den Quellen abgeglichen: 27. Oktober 2026